Sonntag, 21. Februar 2016

Rezension Dave Eggers: Der Circle

Titel: Der Circle
Autoren/Herausgeber: Dave Eggers
Übersetzer: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
Verlag: Kiepenheuer & Witsch

ISBN/EAN: 9783462046755
Originaltitel: The Circle

Seitenzahl: 560
Format: 20,5 x 12,5 cm
Produktform: Hardcover/Gebunden
Sprache: Deutsch
Link zur Verlagsseite 

Meine Wertung: 4 von 5 Sternen




Inhaltsbeschreibung von der Internetseite des herausgebenden Verlages Kiepenheuer + Witsch:

„..Die 24-jährige Mae Holland ist überglücklich. Sie hat einen Job ergattert in der hippsten Firma der Welt, beim »Circle«, einem freundlichen Internetkonzern mit Sitz in Kalifornien, der die Geschäftsfelder von Google, Apple, Facebook und Twitter geschluckt hat, indem er alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität ausstattet, über die einfach alles abgewickelt werden kann. Mit dem Wegfall der Anonymität im Netz – so ein Ziel der »drei Weisen«, die den Konzern leiten – wird es keinen Schmutz mehr geben im Internet und auch keine Kriminalität. Mae stürzt sich voller Begeisterung in diese schöne neue Welt mit ihren lichtdurchfluteten Büros und High-Class-Restaurants, wo Sterneköche kostenlose Mahlzeiten für die Mitarbeiter kreieren, wo internationale Popstars Gratis-Konzerte geben und fast jeden Abend coole Partys gefeiert werden. Sie wird zur Vorzeigemitarbeiterin und treibt den Wahn, alles müsse transparent sein, auf die Spitze. Doch eine Begegnung mit einem mysteriösen Kollegen ändert alles …“.

Nach Lektüre dieses Romans ist meine Meinung hierzu sehr ambivalent. Ganz offensichtlich verwendet hier Eggers alle Zutaten um einen augenscheinlich schlechten Roman zu schreiben. Die Charaktere sind sehr einseitig dargestellt, die Sprache ist extrem schlicht, selbst die Erzählperspektive wird zu keinem Zeitpunkt aufgebrochen. Wir folgen im gesamten Roman der Heldin Mae Holland auf ihrem Weg in das supercoole Unternehmen „Der Circle“ das so angesagt ist, dass dort nur die Besten angestellt werden.

Damit tut sich ein weiterer großer Kritikpunkt auf: die anfangs so genialen Innovationen, die der Circle entwickelt um die heutige Vernetzung und Transparenz weiter zu erhöhen, nehmen schnell derartige Ausmaße an, dass eigentlich jedem klar sein müsste, dass die Welt sich damit in den absoluten digitalen Totalitarismus bewegt und alle Individuen ihre Freiheit verlieren werden.  Warum das bei den Circle-Mitarbeitern, die ja die begabtesten Menschen der Welt sein sollen, niemandem auffällt und auch im späteren Verlauf zu  keinerlei Kritik führt bleibt ein Rätsel dieses Buches.

Die Hauptperson, Mae Holland, gehört auch zu dieser Elite, sie wird jedoch sehr einfältig dargestellt. Zu keinem Zeitpunkt findet eine Reflexion über die neue Welt statt.

Dennoch ist dieses Buch wichtig und verdient es gelesen zu werden, denn die von Eggers geschilderte Zukunft ist keine ferne Utopie, sondern extrem nah  an unserer heutigen Realität. Dass die Gefahren der medialen Vernetzung und der totalen Transparenz jetzt auch in Romanform vorliegen trägt vielleicht dazu bei, dass sich auch Gruppen, die sich bisher nicht kritisch mit diesem Thema beschäftigt haben in die Diskussion einsteigen. Insbesondere für Schüler und junge Leser ist dieser Roman vermutlich sehr interessant.

Vielleicht hatte ja Eggers diese Zielgruppe im Visier, denn die Schlichtheit des Romans und seiner Charaktere erinnert doch sehr an Bücher wie „Shades of grey“ oder die „Twilight“-Reihe. Vielleicht muss man so schreiben um diese Leserschaft zu erreichen.

Der Roman hätte eigentlich nur 2-3 Sterne verdient, als Diskussionsgrundlage und einen eventuellen Einstieg in vertiefende Literatur bekommt er jedoch trotzdem vier Sterne von mir.

Aus aktuellem Anlass habe ich hier auch eine Empfehlung, die sich meines Erachtens sehr gut für die weitere Beschäftiung mit dem Thema eignet:


Titel: Technologischer Totalitarismus
Autoren/Herausgeber: Frank Schirrmacher (Hrsg.)

Verlag: Suhrkamp
Ausgabe: 1., Originalausgabe
ISBN/EAN: 9783518074343

Seitenzahl: 283
Format: 20,1 x 12,7 cm
Produktform: Taschenbuch/Softcover
Gewicht: 320 g
Sprache: Deutsch
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Das Buch habe ich zwar selber noch nicht gelesen, kann aber die sehr gelungene Besprechung vom Blog des Kaffeehaussitzers empfehlen.  

Inhaltsbeschreibung von der Verlagsseite:

Die Digitalisierung aller Lebensbereiche verändert unsere Gesellschaften ähnlich radikal wie die industrielle Revolution vor 200 Jahren: Internet-Konzerne sichern sich die Kontrolle über ganze Branchen; Spähprogramme stellen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung infrage. Und wenn Google-Chef Eric Schmidt schreibt, das Unternehmen wisse, wo wir sind, und könne mehr oder weniger sagen, was wir gerade denken, werden endgültig die düstersten Voraussagen der Science-Fiction Realität.
Angesichts dieser historischen Herausforderung ergriff Martin Schulz, der Präsident des Europäischen Parlaments, im Februar 2014 mit einem kämpferischen Appell in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung das Wort. An der von Schulz angestoßenen Diskussion beteiligten sich seither zahlreiche prominente Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Der Band enthält die Beiträge dieser längst überfälligen Debatte.
Mit Texten von Mathias Döpfner, Hans Magnus Enzensberger, Sigmar Gabriel, Sascha Lobo, Evgeny Morozov, Frank Schirrmacher, Eric Schmidt, Juli Zeh und vielen anderen.
»Es ist höchste Zeit, sich dem Versuch einer Programmierung der Gesellschaft zu widersetzen.«

  

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