Montag, 1. Februar 2016

Montagsfrage: Buchhandlungen vs. Onlineshop

Die Frage der Woche liegt mir diesmal sehr am Herzen und daher muss ich natürlich wieder bei der Aktion von Buchfresserchen dabei sein. Alle Infos zur Aktion findet ihr hier: Die Frage lautet diese Woche:

Buchhandlungen vs. Online-Shop – wo kauft Ihr Eure Bücher ein? 


Vor einigen Jahren, als amazon noch relativ neu war, habe ich auch ab und zu dort bestellt, weil es vermeintlich bequemer war als ein Besuch in der Buchhandlung. Tatsächlich hatten damals die meisten Buchhandlungen auch noch keinen eigenen onlineshop, so dass es dort praktisch keine Alternativen gab.

Doch mit der Zeit wurden mehr und mehr Details der Geschäftspolitik des online-Riesen publik. Erste Aufmerksamkeit erregten bei mir Berichte über den von mir sehr geschätzten Diogenes-Verlag. Hier hatte amazon vor einigen Jahren seine Marktmacht spielen lassen und kurzerhand alle diogenes-Titel aus dem amazon-Angebot entfernt, da diese die von amazon verlangten Großhandelsrabatte nicht gewähren wollten. Diese hätte man sich über einen höheren Endverkaufspreis der einzelnen Bücher von uns, den Lesern, wieder zurückholen müssen. Preiserhöhungen wären die unvermeidliche Folge gewesen. 

Die weiteren Berichte über die extrem schlechten Arbeitsbedingungen und die Gängelung von Autoren und Übersetzern taten ihr übriges dazu. Die ohnehin schon sehr schlecht bezahlten Übersetzer sollten (bei amazon-eigenen Titeln) für die Übersetzungsrechte ein Gebot abgeben. Der günstigste Übersetzer sollte den Zuschlag bekommen. 

Eine solche Geschäftspolitik möchte ich mit meinem Geld nicht unterstützen. Die Berichte über ganze amerikanische Städte (und nicht nur kleine), in denen es keine einzige Buchhandlung mehr gab, waren für mich die reinste Horrorstory.  Hinzu kommt noch, dass amazon durch seine Steuerpolitik so gut wie keine Steuern bezahlt und daher zur Infrastruktur in unserem Lande nichts beiträgt. 

Wir sind in Deutschland (noch) in der glücklichen Lage, eines der dichtesten Netze von Buchhandlungen zu haben. Fast jeder hat eigentlich eine Buchhandlung in der Nähe und in den allermeisten kann man mittlerweile sogar online bestellen und sich die Bücher nach Hause schicken lassen und das sogar meistens von einem Tag auf den anderen. Eine bessere Versorgung bieten eigentlich nur die Apotheken.  

Der stationäre Buchhandel muss also wirklich um's Überleben kämpfen. Die vermehrte Nutzung der online-Buchläden hat jetzt leider auch in meiner Heimatstadt Düsseldorf ganz konkrete Auswirkungen. Mit der Traditionsbuchhandlung Stern-Verlag schließt am 31.03.2016 einer der größten Buchlhandlungen Deutschlands (über 5000qm Verkaufsfläche). Das bedeutet nicht nur für die Stammkundschaft einen herben Verlust (als Kind und Jugendlicher habe ich dort ganze Nahmittage verbracht). Auch 130 Mitarbeiter verlieren ihren Job und der Wegfall des Publikumsmagneten trifft auch die umliegenden Geschäfte sehr hart.

Daher kaufe ich grundsätzliche jedes Buch bei einem Buchhändler im Buchladen, sollte es gar nicht anders möglich sein, bestelle ich im onlineshop einer meiner Lieblingsbuchläden, dort kann man übrigens auch sämtliche ebooks erwerben.

Noch viel besser als ich hat Uwe Kalkowski die Situation auf seinem sehr lesenswerten Blog Kaffeehaussitzer zusammengefasst. Sein Artikel 
 

Wo ich Bücher kaufe. Und wo nicht.     


spricht mir aus der Seele.

Wer noch mehr Argumente benötigt, nicht bei amazon zu kaufen, findet diese in dem Blog lblr-die individuelle Freiheit betreffend. 

Ich hoffe, ihr habt bis hierhin durchgehalten, aber der stationäre Buchhandel liegt mir wirklich sehr am Herzen (nein, ich bin kein Buchhändler). 

Jetzt bin ich auf Eure Meinungen und Beiträge zu diesem interessanten Thema gespannt.

 

Kommentare:

  1. Interesseante Fakten! Vieles wusste ich nicht. Was sind "amazon-eigenen" Titel?

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    1. Hallo Evy,
      das sind Titel, die amazon selbst als Verleger in einem seiner Verlage herausbringt.
      LG
      Thomas

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    2. Amazon hat Verlage? Ich glaube, ich muss das mal googeln xD

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    3. Guckst Du hier:
      https://www.amazon.com/gp/feature.html/ref=apub_ws_rd?docId=1000664761
      LG

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  2. Ave,
    dass Amazon aus offensichtlichen Gründen dem Buchhandel schadet, war mir durchaus bewusst. Von den von dir benannten Skandalen höre ich aber auch jetzt erst was (ich glaube, ich lebe doch hinter'm Mond, soviel neues wie ich bei dir gerade erfahre ^^'). Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich Schullektüren doch meist dort kaufe. Ansonsten bin ich aber auch tendenziell lokal veranlagt. Gerade Mangas hole ich mir fast ausschließlich aus dem Comic/Manga-Laden meines Vertrauens.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Seitenfetzer

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